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Mückenatlas – Deutschland kartiert die Stechmücken

Mücken und deren Larven spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem. Sie dienen als Nahrungsquelle für andere Tiere und gehören zu wichtigen Bestäubern bestimmter Pflanzenarten. Beispielsweise die Kakaobäume in Regionen wie Indonesien, die maßgeblich von Mücken bestäubt werden. Die in Gewässern lebenden Mückenlarven reinigen durch Aufnahme von organischen Schwebstoffen, Algen und Bakterien das Wasser. Laut Experten des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und biologischen Studien hätte ein komplettes Verschwinden der Stechmücken Kettenreaktionen im gesamten Nahrungsnetz zur Folge.

Trotz ihres enormen ökologischen Nutzens ist unsere Toleranzgrenze für die kleinen Blutsauger schnell erreicht und sie werden als lästig empfunden. In der Mückenforschung wird ab zwanzig Stichen pro Minute von einer Mückenplage gesprochen.

Die Stiche werden nicht nur als nervig empfunden, sondern bergen auch die Gefahr, Krankheitserreger zu übertragen. Hinzu kommen die Ausbreitung invasiver (nicht einheimischer) Arten und die Möglichkeit der Infizierung mit gefährlichen tropischen Viren, die durch Globalisierung und Klimawandel begünstigt werden. Von weltweit circa 3 700 Stechmückenarten gibt es alleine in Deutschland über 50.

Aus Mangel an verwertbaren Informationen über Vorkommen, Verbreitung und Biologie der verschiedenen Arten, entstand der „Mückenatlas“ (Abb. 1). Bei diesem Citizen-Science-Projekt, einer Kooperation zwischen dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. und dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, können interessierte Bürger Mückenexemplare sammeln und an Experten schicken. Diese werden für wissenschaftliche Auswertungen aufgearbeitet und tragen zur Weiterentwicklung von Forschungsthemen bei.

Durch dieses Vorgehen gewinnt die Forschung wesentliche Datensätze, die beispielsweise zur Erstellung von aussagekräftigen Verbreitungskarten der einzelnen Arten (Abb. 2) dienen. Auf dieser Grundlage können notwendige Forschungsschwerpunkte leichter definiert werden. Seit Aktionsstart wurden von über 37 000 Teilnehmenden mehr als 207 000 Stechmücken für die Forschung gefangen. Im Gegenzug erhalten die „Mückenjäger“ Detailinformationen über die Biodiversität, Ökologie und Biologie der blutsaugenden Insekten und einen Platz auf der Karte der Sammler (Abb. 3).

Mit downloadbaren Informationsmaterialien für Kinder und Jugendliche kann der Mückenatlas auch als Bildungsinstrument für Schulen innerhalb der Rahmenlehrpläne im Unterricht eingesetzt werden.

Weitere Informationen:

(B. Kohlenbach, Kontaktstelle GDI-LSA, Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt, Otto-von-Guericke-Straße 15, 39104 Magdeburg)